Gottfried Wilhelm Leibniz an Rudolph August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (Neujahrsbrief), 12. Januar 1697
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Seit 1691 arbeitete Gottfried Wilhelm Leibniz für die Wolfenbütteler Herzöge als Leiter der Bibliotheca Augusta.
Leibniz hatte im Mai 1696 in einem Gespräch mit Herzog Rudolph August seinen Gedanken der »imago creationis« (Abbild der Schöpfung) und das binäre Zahlensystems (ein Dualsystem mit der Basis 2 und den Ziffern 0 und 1) erläutert. Im sogenannten Neujahrsbrief schlug er dem Herzog dann vor, eine Medaille mit einer seiner Erfindungen zu prägen und schreibt:
Denn einer der Hauptpuncten des christlichen Glaubens … ist die Erschaffung der Dinge aus Nichts durch die Allmacht Gottes. Nun kann man wohl sagen, daß nichts in der Welt sie besser vorstelle, ja, gleichsam demonstriere, als der Ursprung der Zahlen, wie er allhier vorgestellet ist, durch deren Ausdrückung blos und allein mit Eins und mit Nulle oder Nichts alle Zahlen entstehen. Und wird wohl schwerlich in der Natur und Philosophie ein bessres Vorbild dieses Geheimnisses zu finden sein, daher ich auch die entworfene Medaille gesetzet: Imago Creationis.
Der Herzog galt als sehr fromm, deshalb dürfte ihm die Interpretation der Dyadik als Bild der biblischen Schöpfung gefallen haben – so sehr, dass er selbst Siegel zu dieser Analogie entwarf und schneiden ließ.
Dualsysteme waren schon seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. in Indien bekannt, jedoch ohne die Null. Auch in Europa gab es Vorgänger von Leibniz, z. B. Harriot, Caramuel y Lobkowitz oder Pascal. Um die so genannte Dyadik zu entwickeln, ist Leibniz auf zwei Wegen vorgegangen: Erstens durch Umformung der Viertelkreisreihe und zweitens durch Spaltenperiodizität (in komplexen Zahlenfolgen ist einfache Struktur vorhanden, d. h. man kann aus senkrechten Perioden die waagerechte Ziffernfolge einer Zahl allgemein bestimmen). Diese Verfahrensweise wird vor allem in der Informationstechnik verwendet. Diese ist logisch ausgerichtet auf Bits, welche entweder wahr oder falsch bzw. 1 oder 0 sind.
Alexandra Lewendoski
Gottfried Wilhelm Leibniz to Rudolph August, Duke of Brunswick and Luneburg (New Year’s Letter), 12th of January 1697
From 1691, Leibniz was head of the Herzog August Library. Here we can see the so-called New Year’s Letter to Rudolph August of Wolfenbüttel.
In May 1696, Leibniz had spoken with the Duke Rudolph August. Leibniz explained to him in this conversation his ideas on »imago creationis« (image of creation) and the binary numeral system (a binary system with the base 2 and the numbers 0 and 1). In his letter he proposes to coin a medal with these ideas and he writes:
One of the main points of Christian belief is the creation of things from nothing by the power of God. Nothing explains this better than the origin of numbers, emerging from One and Zero / nothing. There will be hardly found a better example in nature or philosophy for this miracle, therefore I have also set in the medal design: Image of creation.
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