Biblia Sacra Polyglotta (Londoner Polyglotte), 1654 – 1657
Die Geschichte der polyglotten (mehrsprachigen) Bibeln reicht mindestens bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. In dieser Zeit schuf Origenes eine (heute fast vollständig verlorene) Ausgabe, die sechs verschiedene Bibelübersetzungen nebeneinander stellte, die sogenannte Hexapla. Am anderen Ende des Zeitstrahls steht die »Londoner Polyglotte«, die letzte der großen Mehrsprachenbibeln, die als die textkritisch reichhaltigste und wertvollste gilt. Erarbeitet wurde sie von englischen Gelehrten in Oxford. Die Mitarbeiter mussten sich dabei gegen erbitterte Widerstände fundamentalistisch gesinnter Theologen durchsetzen, die das Werk verhindern wollten.
Ziel der Ausgabe war es, alle relevanten alten sowie von den Kirchen benutzten Bibeltexte in den besten verfügbaren Ausgaben parallel abzudrucken und mit einem textkritischen Apparat zu versehen. Das Alte Testament liegt in hebräischer, griechischer, lateinischer, aramäischer, syrischer und arabischer Sprache vor; hinzu kommen je nach Quellensituation weitere alte Überlieferungen. Das Neue Testament liegt in Griechisch, Lateinisch, Syrisch, Äthiopisch, Arabisch und Persisch vor. Alle orientalischen Texte werden jeweils um eine lateinische Übersetzung ergänzt. Die Polyglotte ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine drucktechnische Meisterleistung: Sämtliche Texte in den verschiedenen Sprachen sind so gesetzt, dass ein Leser sie miteinander vergleichen kann, ohne ein Blatt wenden zu müssen.
Dem ersten Band der Ausgabe sind Materialien zur Geschichte der Welt nach der Schöpfung sowie archäologische Erläuterungen vorangestellt, die mit teilweise doppelseitigen Kupferstichen illustriert werden.
Nina Otto
Biblia Sacra Polyglotta („London polyglot“), 1654 - 1657
The history of polyglot or multi-language bibles goes way back at least to the 3rd century AD. On the opposite end of the timeline we find the „London polyglot“, the last of the multi-language bibles which is also the most valuable and most reliable, compiled by English scholars at Oxford.


