Erdglobus, 17. Jahrhundert


Globen galten lange Zeit und auch heute noch als Schmuckstück einer jeden bedeutenden Bibliothek. Wie kaum ein anderer Gegenstand illustrierten sie in vergangenen Jahrhunderten zugleich Wissensdurst als auch das (herrscherliche) Bedürfnis nach Repräsentation: Einerseits waren Erd- und Himmelsgloben verbreitete Unterrichtsmaterialien für den Navigationsunterricht, das Astronomiestudium, aber auch für allgemeinbildende Schulen. Globen hatten stets auch repräsentative Funktionen und waren beliebte Geschenke für Herrscher, was insbesondere an überdimensionierten Objekten wie dem Gottorfer Riesenglobus des Olearius für Peter den Großen und den Coronelli-Globen für Ludwig XIV. deutlich wird. Darüber hinaus galt der Globus als Symbol für Wissen, Bildung und Weltgewandtheit. Auf Gelehrtenporträts der Renaissance und des Barock ist er ein stets wiederkehrendes Attribut.

Der hier dargestellte Erdglobus mit einem aus vier Säulen bestehenden Tragegestell und einem Messingmeridian entstammt höchstwahrscheinlich der Amsterdamer Offizin Blaeu. Willem Janszoon Blaeu (1571 – 1638) produzierte seit 1599 Erdgloben, die im Laufe der Zeit in ihrem Durchmesser immer weiter zunahmen. 1617/18 schließlich schuf er seine größten Objekte: einen Erd- und einen Himmelsglobus von jeweils 68 cm Durchmesser. Der Erdglobus wurde in der Folgezeit nur geringfügig abgeändert: Auf der vorliegenden, von Willems Sohn Joan Blaeu (1598 – 1673) nach 1645 überarbeiteten Ausgabe ist bereits das 1642 von Tasman entdeckte Australien (Nova Hollandia) eingearbeitet und Kalifornien – wie in der Mitte des 17. Jahrhunderts aufgrund eines fehlerhaften spanischen Reiseberichts üblich – im Gegensatz zur Originalausgabe als Insel dargestellt. Neben der hohen kartographischen Qualität besticht der Globus durch dekorative, dem Geschmack des Barock entsprechende Ausschmückungen (Kartuschen, Seeungeheuer, Schiffe) und den hohen Aktualitätsanspruch, der dadurch begünstigt wurde, dass bei der Neubearbeitung eines Globus – im Gegensatz zur herkömmlichen Atlaskartographie – nur einzelne Segmentteile ersetzt bzw. überklebt werden mussten.

Björn Schreier

Terrestrian globe, 17th century

Most probably the terrestrial globe with its supporting frame composed by four pillars and a brass meridian is originally from the officin Blaeu of Amsterdam. From 1599, Willem Janszoon Blaeu (1571 – 1638) produced terrestrial globes with diameters of increasing size. In 1617/18, he produced his biggest models: a terrestrial globe and a celestial globe each having a meridian of 68 cm. Afterwards, there were only marginal changes made to the terrestrial globe: in the exhibited example, completed by Willem’s son Joan Blaeu (1598 – 1673), we can already see Australia (Nova Hollandia) which had been discovered in 1642 by Tasman and on the other hand California is presented as an island in accordance with an erroneous Spanish travelogue which was widespread in the middle of the 17th century. Not only is the globe’s cartographic quality highly impressive but also all the decorative ornaments (cartouches, sea monsters, ships) are impressive too. And, not least, the up-to-dateness of the globes should be pointed out, due to the fact that the revision version of such a globe only needs – in contrast to traditional cartography – the replacement of individual segments.

Erdglobus

Erdglobus

Erdglobus

Add comment


Schatzkammer