Grabstele des Ser-Inpu um 2800 v. Chr.

Leihgabe des Museums August Kestner / On loan from the August Kestner Museum

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Frühdynastische Zeit, 1. Dynastie, Regierungszeit des Den, Abydos (Oberägypten), Umgebung des Grabes von Pharao Den, Kalkstein

Die Genese der ägyptischen Hochkultur war ein langer Prozess, der sich über mehrere Jahrtausende hinzog und um 2900 v. Chr. mit einer kulturellen Eroberung“ der unterägyptischen Nildeltaregion durch oberägyptische Kulturträger ihren ersten Höhepunkt erreichte. Diese Errungenschaft wird später von den Ägyptern immer als die „Vereinigung der beiden Länder“ bezeichnet und dem legendären Staatsgründer Menes (wohl der oberägyptische König Aha, d.h. „Der Kämpfer“, 1. Dynastie) zugeschrieben werden. Die ersten gesamtägyptischen Könige ließen sich in der Wüste beim oberägyptischen Ort Abydos in großen unterirdischen Gräbern bestatten. Um diese Grablegen herum wurden kleine Kammergräber für Angestellte des Königshauses angelegt, die uns durch auf diesen Nebengräbern aufgestellte Stein-Stelen (Grabsteine) mit ihren Hoffunktionen und/oder Eigennamen überliefert sind. Insgesamt sind aus Abydos 258 solcher Stelen bekannt, die zu den ältesten Schriftzeugnissen Ägyptens und damit der Welt überhaupt gehören.
Die vorliegende Stele nennt einen Mann namens Ser-Inpu, d.h. „(Der Totengott) Anubis ist ein/der Herrscher“. In dieser kurzen, nur den Eigennamen beinhaltenden vertikal zu lesenden Inschrift, sind alle drei Klassen der ägyptischen Hieroglyphenschrift vorhanden: Die „Buchstaben“ / Phonogramme (Lautzeichen) s und r (für „Ser“), das einen ganzen Begriff darstellende Ideogramm des liegenden Schakals (für „Inpu“ / der Schakalgott Anubis) sowie das so genannte Determinativ / Deutezeichen eines stehenden Mannes, das selbst nicht gelesen wird, sondern nur erscheint, um anzudeuten, dass es sich bei dem vorhergehenden Text um einen Männernamen handelt. Der Umstand, dass der Mann in der Gestalt eines Zwerges dargestellt ist, enthält die zusätzliche Information, dass der Mann offensichtlich ein kleinwüchsiger Mensch war. Darin zeigt sich eine gewisse Überlegenheit der Hieroglyphenschrift unserer Schrift gegenüber, denn eine solche Information wäre zum Beispiel aus der nur den Namen einer Person nennenden Beschriftung eines heutigen Grabsteins nicht in Erfahrung zu bringen.
Kleinwüchsige Menschen, die meist aus Nubien nach Ägypten geholt wurden, waren während der gesamten pharaonischen Zeit besonders beliebtes Personal am Hofe Pharaos. Aus Abydos sind zehn kleinwüchsige Männer durch Inschriften bekannt, davon vier durch Stelen, darunter auch die hier besprochene, die alle aus der unmittelbaren Umgebung der Bestattung von Pharao Den (Dewen, Udimu), dem 5. König der 1. Dynastie (reg. 2814-2772 v.Chr.) stammen. Im Kontext der 136 Nebenbestattungen des Grabes von Den wurde Ende des 19. Jh. eine Gruppe von insgesamt 84 Stelen gefunden. Im Inventar des Museum August Kestner sind noch fünf weitere Stücke aus dieser Gruppe verzeichnet, von denen eines jedoch im 2. Weltkrieg vernichtet wurde. Alle erhaltenen sind als „die ältesten Schriftstücke in Hannover“ stets in der Dauerausstellung des Museum August Kestner bestaunbar.

Christian E. Loeben, Museum August Kestner

Grave Stele of Ser-Inpu around 2800 B.C.

early first dynasty, rule of Pharaoh Den, Abydos, Upper Egypt, burial site of Pharaoh Den, limestone

The genesis of Egyptian high culture was a long process which lasted for over a thousand years. Around 2900 B.C., with a cultural “conquest” of Lower Egypt Nile Delta by Upper Egypt, the cultural highpoint arrived in the “union of both lands”, written about by state founder Menes (possibly the upper-Egyptian King Aha (“The Fighter”, first dynasty). The first king of the united Egypt was laid to rest in a large tomb in the upper-Egyptian town of Abydos. Included in the tomb were chambers for the king’s staff, all of whom had a stele or gravestone with their job post and/or their names.

This stele carries the name of a dwarf, Ser-Inpu, meaning “(The Dead God) Anubis is a/the ruler”. In this short vertical inscription, all of the three types of Egyptian hieroglyphic writing exist: The “letters”, the phonetic glyphs “s” and “r” (for “Ser”), in which the entire ideograph of a lying jackal (representing “Inpu”, the god Anubis) like a symbol of a standing man, represented as a dwarf, is not to be read alone but with the preceding text as a name. This represents an advantage of the hieroglyphic writing over our writing system today. With the former, one can glean further information about the dead other than just the name.

Dwarfs, most of who came to Egypt from Nubia, were especially valued during the time of the pharaohs as appointees of the court. Ten of these court personnel from Abydos can be identified from the inscriptions on four of the stele. All the stele come from the burial area of Pharaoh Den (Dewen, Udimu) of the fifth dynasty (2814-2772 B.C.) At the end of the 19th century, among the 136 burial objects of Den, a group of 84 steles were found. Five more examples of this group of stele were also in the August Kestner Museum’s collection until the Second World War when one was stolen. They are “the oldest pieces of writing in Hanover” always on display for visitors to the museum.

Christian E. Loeben, August Kestner Museum

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