Klaudios Ptolemaios, Cosmographia, Inkunabel, 1482

Inkunabel der Cosmographia des Klaudios Ptolemaios

Die vorliegende Inkunabel (Bezeichnung für frühe Drucke bis 1500) enthält die »Geographike hyphegesis« (Handbuch der Geographie) des griechischen Geographen Klaudios Ptolemaios (um 100 – 170 n. Chr.), in der lateinischen Ausgabe »Cosmographia« bezeichnet.

Ptolemaios unternahm mittels einer astronomischen Lagebestimmung von 8.000 Orten der damals bekannten Welt den ersten Versuch einer exakten Kartenprojektion und hat damit bis in die Neuzeit das geographische Weltbild und die Kartenherstellung geprägt. Ptolemaios‘ Forschungs- und Wirkungsort Alexandria verfügte mit seinen Bibliotheken sowie als ägyptisches Verwaltungs- und Handelszentrum über einen riesigen Wissensschatz; Ptolemaios konnte sich hier einer Vielzahl von Listen, Karten und Routenbeschreibungen bedienen. In seinem geographischen Hauptwerk »Geographike hyphegesis« ging er über die vorher übliche rein deskriptive Länderkunde hinaus, indem er in Anlehnung an Eratosthenes astronomische und geodätische Anhaltspunkte berücksichtigte und darauf aufbauend ein einheitliches Koordinatensystem schuf: Dieses bildete die Grundlage für seinen umfangreichen Ortskatalog mit geographischen Längen- und Breitenangaben. Mathematisch-astronomische Daten waren ihm also genauso wichtige Quellen wie Reiseberichte.

Nachdem das Werk über Jahrhunderte hinweg praktisch nur in der arabischen Welt bekannt war, wurde es in Griechenland erst um 1300 wiederentdeckt und erlangte zu Anfang des 15. Jahrhunderts mit der lateinischen Übersetzung als »Cosmographia« durch Jacopo d’Angelo Bekanntheit im Abendland. Mit ihren genauen Lagebeziehungen stand sie im Gegensatz zu den christlich geprägten mittelalterlichen Radkarten mit Jerusalem als Zentrum.

Die gezeigte aus Ulm stammende erste deutsche Inkunabelausgabe der »Cosmographia« enthält neben dem Text 32 handkolorierte Holzschnittlandkarten – die ältesten ihrer Art.

Björn Schreier

Klaudios Ptolemaios, Cosmographia, Incunable, 1482

The exhibited incunable (synonym for early prints before 1500) includes the Geographike hyphegesis (handbook of geography) of the Greek geograph Klaudios Ptolemaios (approx. 100 – 170 AD.), in the Latin edition described as Cosmographia. Ptolemaios was the first to undertake an exact map projection by means of an astronomic localisation of 8,000 places in the then known world. He had a great influence on the geographical world view and the production of maps up to the early modern period.

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