Johann Christoph Wendland: 394 Aquarelle von ausländischen Pflanzen des Berggartens in Herrenhausen, 4 Bde., 1788 - 1791
Die von dem Gärtner Johann Christoph Wendland (1755 – 1828) gemalten Pflanzenaquarelle stammen aus einer Zeit, als die Pflanzensammlung des Berggartens – bis dahin in erster Linie eine fürstliche Schausammlung – zu einem botanischen Studienobjekt wurde.
Zur wissenschaftlichen Bearbeitung gehörte die korrekte Identifizierung der Pflanzenarten mit Hilfe von Fachliteratur, wobei Zeichnungen und systematische Beschreibungen der oft nur kurzzeitig blühenden Pflanzen wichtige Mittel der Dokumentation waren.
Viele der abgebildeten Pflanzen stammen ursprünglich aus der Region um das Kap der Guten Hoffnung (Südafrika), wie z. B. die zahlreich vertretenen Ixia-, Gladiolen- und Pelargonienarten sowie Eriken (Heidenarten) und Mittagsblumengewächse.
Die lateinischen Pflanzennamen sind nach den Regeln der von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707 – 1778, bis 1762 Carolus Linnaeus) Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführten binären Nomenklatur angegeben. Sie bestehen aus zwei Wörtern, von denen das erste die Gattung bezeichnet, das zweite die Art charakterisiert. Das dem Namen folgende Kürzel gibt Auskunft über den Autor des Pflanzennamens, z. B.: L. = Carolus Linnaeus/ Carl von Linné oder E. bzw. Erhr. = Jakob Friedrich Ehrhart, 1742 – 1795, der seit 1780 mit der Erfassung der im Kurfürstentum Hannover wild wachsenden Pflanzen beauftragt war und die Gärtner in Herrenhausen bei der Bestimmung der ausländischen Pflanzen des Berggartens und der Plantage unterstützte.
Zahlreiche meist mit Bleistift vorgenommene Korrekturen der Namen sowie Anmerkungen, die auf Belegstellen oder Abbildungen in der Fachliteratur hinweisen, verdeutlichen, dass die Pflanzenporträts als Grundlage für die botanische Arbeit im Berggarten benutzt wurden.
Ab 1795 wurde der Ausbau zum botanischen Hofgarten weiter intensiviert und Johann Christoph Wendland begann – zunächst in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Arzt und Botaniker Heinrich Adolph Schrader (1767 – 1836), dann allein – wissenschaftliche Beschreibungen seltener Pflanzen des Berggartens zu publizieren. Die Kupferplatten für den Druck der Illustrationen, die wesentlich detaillierter und exakter sind als die um 1790 gemalten Aquarelle, fertigte er selbst an.
Heike Palm
John Christoph Wendland: 394 watercolours showing foreign plants of the mountain garden in Herrenhausen, 4 volumes, 1788 – 1791
The watercolours were painted by the gardener Johann Christoph Wendland at a time when the plant collection of the Berggarten – which was previously an exhibition for the prince’s pleasure – became an object of botanical study.
The scientific work included the correct identification of the species on the basis of specialized literature. Drawings and systematic descriptions were an important means of documentation,because the rare plants often flowered only for a short time.
Most of the plants depicted are originally from the area of the Cape of Good Hope, for example the ixia, gladioli and erica (heather) as well as the Livingstone daisies.
Biografie: Johann Christoph Wendland (1755-1828), Botanischer Hofgärtner in Herrenhausen
Johann Christoph Wendland entstammte einer süddeutschen Gärtnerfamilie. Nach Lehre und Gesellenjahren in Karlsruhe und Kassel arbeitete er ab 1778 in Herrenhausen – zunächst als Geselle im Berggarten, seit 1784 zusätzlich als Gärtner in der Baumschule für Zier- und Obstgehölze (Plantage). Von 1795 bis zu seinem Tod leitete er den Berggarten und den Großen Garten.
Durch die Zusammenarbeit mit dem 1787-1795 in Herrenhausen angestellten Hofbotaniker Friedrich Ehrhart (1742-1795), der fünf Jahre bei Carl von Linné in Schweden studiert hatte, und mit dem Göttinger Botaniker Heinrich Adolph Schrader (1767-1836) eignete sich Wendland – ohne ein reguläres Studium – botanische Kenntnisse und wissenschaftliche Methoden an. Ab 1795 veröffentlichte er – zunächst gemeinsam mit H. A. Schrader („Sertum Hannoveranum“) – über die Pflanzensammlung des Berggartens. Eine Arbeit, die er von 1798-1823 mit den Werken „Hortus Herrenhusanus“, „Collectio Plantarum“ und seiner „Abbildung und Beschreibung der Heidengewächse“ und mit zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften allein fortsetzte. Wendland zeichnete die Vorlagen für die Illustrationen seiner Werke und fertigte einen Großteil der Kupferplatten für den Druck selbst an.
Durch seine praktische und wissenschaftliche Arbeit erwarb sich Johann Christoph Wendland große Anerkennung. Naturforschende Gesellschaften im In- und Ausland ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Sein Sohn Heinrich Ludolph (1792-1869) und sein Enkel Hermann Wendland (1823-1903) setzen seine Arbeit als Leiter des Berggartens fort.
Zu den Arbeitsmitteln Johann Christoph Wendlands gehörte seine etwa 200 Bände umfassende Privatbibliothek, die 1832 von Herzog Adolph Friedrich von Cambridge, dem Vizekönig von Hannover, für die Herrenhäuser Gärten erworben wurde und den Grundstock für die Dienstbibliothek der hannoverschen Hofgartenverwaltung (Königliche Gartenbibliothek Herrenhausen) bildete.


