Kupferplatte mit Porträt Johann Friedrichs, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, 1674
Als dritter Sohn des Herzogs Georg von Calenberg stand Johann Friedrich (1625 – 1679), zunächst im Schatten seiner Brüder, war außerdem ein bisschen unförmig und klein, aber dafür sehr belesen und ein großer Italien-Liebhaber. Er unternahm in jungen Jahren viele Bildungsreisen durch Frankreich und Italien, von wo er so viele Bücher mitbrachte, dass sie den Grundbestand der späteren herzoglichen Bibliothek bildeten. Unter anderem für diese Bibliothek warb er 1673 um den damals 26-jährigen Leibniz, dem er in Hannover die Fortsetzung seiner Studien ermöglichen wollte. Erst drei Jahre später, zum Jahresbeginn 1676, sendete Leibniz zusammen mit seinen Neujahrsgrüßen die Zusage.
Von da an entwickelte sich ein enges Verhältnis zwischen beiden. Leibniz wandte sich immer direkt an den Herzog und jener gestattete diesen unkonventionellen Umgang. Johann Friedrich ließ sich gern von Leibniz mit Beschreibungen von neuen Erfindungen unterhalten, um sich von den anstrengenden Staatsgeschäften zu erholen: So erzählte Leibniz ihm von Chiffriermaschinen, besonders bequemen Wagen oder vollkommenen Uhren, beide diskutierten aber auch Glaubensfragen und die Wiedervereinigung der getrennten Konfessionen oder philosophische Texte.
Leibniz sah sich dabei als eine Art Anleiter und geistiger Führer des Herrschers, mit dessen Autorität, so hoffte er, große Dinge vollbracht werden können. Er genieße, so schreibt er an einen Briefpartner in Paris … oft in der Nähe eines Fürsten zu weilen, der ein unglaubliches Maß an Urteil besitzt und viel Güte für mich zeigt.
Trotz aller erfinderischen Ablenkungen durch seinen Gesprächspartner war der Herzog im Oktober 1679 sehr amtsmüde und beschloss, sich nach Venedig zurückzuziehen. Er starb schon auf dem Weg dorthin in Augsburg und wurde 1680 in Hannover beigesetzt.
Leibniz hat für das Begräbnis eine Beschreibung seines Charakters verfasst, die üblicherweise immer nach der Leichenpredigt verlesen wurde: Der hochselige Fürst hat dieses Lob in der Welt erhalten, daß er die Personen trefflich unterschieden, und einen jeden, wozu er geignet, hat brauchen können; auch daß er berühmte, gelehrte und in allerhand Professionen verdiente Leute … herfür gezogen, beschenket … und in Stand gesetzet, daß sie ihr gutes Vorhaben werkstelligen können.
Die Kupferstichplatten-Sammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist mit 869 Werken in Deutschland wohl einzigartig. Sie ist in einem Katalog erfasst und kann elektronisch recherchiert werden.
Maria Marten
Copperplate showing the portrait of Johann Friedrich, duke of Brunswick and Luneburg, 1674
Johann Friedrich (1625 – 1679) was the third son of Duke Georg von Calenberg. In contrast to his brothers he was rather small and unwieldy but, on the other hand, devoted to reading and an enthusiast of Italian culture. In his younger days he made several journeys to France and Italy where he bought so many books that they became the basis of the later ducal library. And in 1673, Johann Friedrich tried to win the 26 years old Leibniz for this very library. Leibniz gave a firm commitment at the beginning of the year 1676 when he sent his New Year’s greetings.
The Hanover collection of engravings from the 17th and 18th centuries, numbering 869, is certainly unique in Germany. Each of them is being catalogued and is available in electronic form.
