Leibniz an Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Paris, 26. März 1673

Leibniz an Herzog Johann Friedrich von Hannover

Leibniz hielt sich zu Beginn des Jahres 1673 für einen Monat in England auf und führte der Royal Society anhand eines Holzmodells seine Rechenmaschine vor. Kurze Zeit darauf wurde er zu deren Mitglied ernannt. Erfolge dieser Art sollten den Weg ebnen, um eine neue Anstellung bei einem neuen Arbeitgeber bzw. Fürstenhaus zu finden. An einen Freund schreibt er, dass es ihm in seiner zukünftigen Anstellung nicht darum gehe, Geld anzuhäufen, sondern den Geist zufrieden zu stellen, indem ich etwas Reelles und Nützliches für die Öffentlichkeit bewirke. Und fügt ganz offen hinzu, dass die meisten Bibliotheken, die als schön und interessant gelten, fast nur aus wenig nützlichen Büchern bestehen. Falls ich eine aus meiner Phantasie hervorbringen sollte, so würde ich nur zwei Sorten Büchern Einlass in selbige gewähren: Zum einen diejenigen, in welchen von Erfindungen, Beweisen, Experimenten die Rede ist, zum anderen diejenigen, die uns Memoiren des Staates, Geschichten, vor allem aus unserer Zeit und Beschreibungen der Länder liefern. Eine solche Bibliothek würde nicht viel kosten und wäre unendlich interessant.

1676 entschließt sich Leibniz, auf das ihm wiederholt unterbreitete Angebot von Herzog Johann Friedrich einzugehen, als Hofrat und Bibliothekar in seine Dienste zu treten und nach Hannover zu ziehen, wo er die nächsten 40 Jahre bis zu seinem Tode wirken wird.

Wenige Jahre zuvor betonte Leibniz in diesem Brief den Erfolg der Rechenmaschine:

dass die Rechnung in höchsten Grad leicht, geschwind, gewiß sey; Leicht, dieweil man keiner einigen arbeit des Gemüths, nachsinnens, im Sinn behaltens, rathens, ja mit einem worth, Rechnens, bedarff. Und er erwähnt auch, wie seine Vorführung gewirkt habe: Die demonstration ist vor beyden Königlichen Societäten zu Paris und London mit großen applausu geschehen. Und er vergißt auch nicht, den Erfinder der Maschine lobend zu erwähnen: mit den gelertesten Leuten unser zeit habe er Kontakt, in den verschiedensten Künsten, Geschäften, in Religion und Philosophie wichtige Beweisführungen erbracht, in Geschichte und Politik hätte er wichtiges bedacht. Auf diesen Brief hin fordert Herzog Johann Friedrich Leibniz auf: … euch dieses ortes her in Unsere würkliche dienste zu begeben.

Alexandra Lewendoski

Leibniz to Johann Friedrich, Duke of Brunswick and Luneburg, Paris, 26th of March 1673

In 1673, Leibniz presented a wooden model of his calculating machine to the Royal Society of London, received encouragement and became member of the Society. At the same time he was looking for new employment in a dynasty.

To a friend he writes that in a future employment he did not want to be lavished with money. He would rather like to content his mind by doing something real and useful to the public.

In 1676 Leibniz decided to accept the offer of the Duke Johann Friedrich to work for him as librarian and court counsellor.

Three years before, in the letter of March 26, 1673 to Johann Friedrich – the one seen here – Leibniz does not only underline his abilities. He also mentions his presentation of the calculating machine in London and its success. He describes the purpose of his machine in making calculations easy, fast and reliable. Easy, because the mind is relieved of work … and does not have to calculate at all. What follows is a description of all his virtues, a statement of the fact that he knows many important people and savants, and that he had successfully demonstrated a lot of things in arts, religion and philosophy.

Leibniz an Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Paris, 26. März 1673Leibniz an Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Paris, 26. März 1673

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