Gottfried Wilhelm Leibniz, Novissima Sinica, 1697
Übersetzung der Titelseite:
Das Neueste aus China.
Die Geschichte unserer Zeit zu erhellen worin vieles bislang Unbekanntes dargestellt wird: ein nach Europa gesendeter Bericht über die erstmals staatlich zugelassene Verbreitung des Christentums, weiter über die Wertschätzung der europäischen Wissenschaften, über die Sitten des Volkes und besonders dessen gegenwärtigen Herrschers, und schließlich über den Krieg der Chinesen mit den Russen und ihrem Friedensschluss.
Das Thema China war in dieser Zeit keine Neuigkeit: Die so genannten Chinoiserien zeugten von der Begeisterung für chinesisches Dekor. Chinoiserien, das sind Kunst- und Kunstgewerbestücke nach chinesischem Vorbild. Das Interesse galt also weniger dem Chinesischen selbst als dem exotischen Reiz, den dekorative Elemente innerhalb der europäischen Kunst entfalteten.
Leibniz Beschäftigung ging weit darüber hinaus. Er wollte sich ein Bild von China machen und China verstehen: Die chinesische Schrift und Sprache, Geschichte, Wissenschaft, Staatsauffassug sowie die Philosophie des Konfuzius interessierten ihn sehr. Er tauschte sich mit verschiedenen Jesuiten aus, die in China als Missionare tätig waren. Daraufhin stellte er Material zusammen und gab es 1697, mit einer Einleitung versehen, als »Novissima Sinica« heraus.
Die Mission in China sollte den Zugang zur christlichen Religion erleichtern. Die Erklärung der chinesischen Schrift und Sprache hielt Leibniz für einen Schlüssel zu unserem Wissen. Leibniz hoffte auf Wissensaustausch in vielen Bereichen. Er zweifelte nicht daran, dass die Chinesen aufgrund ihrer lang währenden Erfahrung und Tradition den Europäern in einigem weit voraus seien. Kompass, Schießpulver, wirksamere medizinische Heilmittel – all das haben die Chinesen vor den Europäern gehabt.
Zahlreiche chinesische Bücher wollte Leibniz übersetzen lassen, mithilfe von Europäern oder Chinesen, die man dazu nach Europa bringen sollte. Überhaupt, so meinte Leibniz, könnten uns zuweilen chinesische Missionare in Sachen Sittlichkeit auf die Sprünge helfen.
Leibniz empfahl sich fortan als Experten für China. Er bot der Kurfürstin Sophie Charlotte Unterrichtung in der Philosophie des Konfuzius an oder auch in unsterblich machenden Heiltränken. Auch schrieb er ihr, dass er einen Zettel an seine Tür hängen würde: Adressenbüro für China. Denn er sei derjenige, der das Neueste aus China wisse.
Alexandra Lewendoski
Gottfried Wilhelm Leibniz, Novissima Sinica, 1697
In early modern times, China was not unknown. The so-called chinoiseries had shown the enthusiasm for Chinese decor (chinoiseries = works of art and arts-and-crafts in Chinese style).
Leibniz was interested in the Chinese language and writing, history, sciences, concept of state and in the philosophy of Confucius. He had an extensive correspondence with a couple of Jesuit missionaries – the starting point for his »Novissima Sinica«, which was published in April 1697.
Leibniz wanted an exchange in knowledge and in the sciences such as in astronomy, geography, etc. He had no doubt that the Chinese were ahead of Europe because of their long experience and tradition. The compass, gun powder, effective medical remedies etc. had been used in China long before they were known in Europe.
