Speculum humanae salvationis, typoxylographisches Blockbuch aus den Niederlanden, Mitte des 15. Jahrhunderts
Die seltenen Blockbücher, die von Formschneidern in Holztafeln geschnitten und im Reiberdruck-Verfahren auf Papier gedruckt wurden, sind im 15. und frühen 16. Jahrhundert überwiegend in Deutschland und in den Niederlanden produziert worden. Charakteristisch ist der enge Zusammenhang von Bild und Text. Die Bilderfolgen haben die Aufgabe, den Text anschaulich zu erläutern.
Bei dem kostbaren Blockbuch aus der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek sind die Bilder im oberen Teil der Seite aus Holzstöcken geschnitten, während der unter den Bildern befindliche Text teilweise mit beweglichen Lettern gedruckt, teilweise ebenfalls aus einer Holztafel geschnitten wurde. Die Seiten sind einseitig bedruckt. Der Verfasser des »Speculum humanae salvationis« (zu deutsch: Heilsspiegel) ist bis heute ebenso wenig bekannt wie der Drucker und der Druckort des Blockbuches. Es stammt jedenfalls aus den Niederlanden und wurde zwischen 1420 und 1450 gefertigt. Das Speculum gehörte zur christlichen Erbauungsliteratur, die religiöse Belehrung mit einer anschaulichen Bebilderung verband. Motiv für diese Literaturgattung war der Wunsch, durch die Lektüre der heiligen Schriften die Seele vor dem Bösen zu erretten und den Menschen zu Gott hinzuführen.
Der Heilsspiegel war seinerzeit äußerst populär und wurde durch das Anfertigen von Kopien zahlreich vervielfältigt. Der Text, der wahrscheinlich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammt und sich auf Ereignisse aus dem Alten und dem Neuen Testament bezieht, ist in lateinischer Reimprosa geschrieben. Um die Verbreitung zu erhöhen, wurde er in mehrere Volkssprachen übersetzt, z. B. ins Deutsche, Französische und Niederländische. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch das volkssprachliche »Speculum« die große Zahl der leseunkundigen Adressaten nur dann erreichte, wenn es von so genannten litterati vorgelesen wurde. Die Zahl der Leser oder regelmäßigen Leser im deutschsprachigen Raum lag noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts zwischen drei und vier Prozent. Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes mit der Ausweitung der Buchproduktion, der Einsatz des preiswerteren Papiers statt des teuren Pergaments, die Anknüpfung internationaler Wirtschaftsbeziehungen durch den Fernhandel und das gestiegene Bedürfnis nach Bildung ließen die Alphabetisierungsrate erst im Verlaufe der folgenden Jahrhunderte langsam ansteigen.
Anne-Katrin Henkel
Speculum humanae salvationis, typoxylographical book of the Netherlands, Middle of the 15th century
The rare blockbooks were produced in Germany and in the Netherlands in particular during the 15th and early 16th century. Blockbooks are books printed from wooden blocks on which texts and illustrations for each page had to be cut by hand. What characterises this block book is the closeness between text and illustration. In this precious blockbook of the Gottfried Wilhelm Leibniz library the images at the top of the pages are cut from wood, the texts in the lower part of the pages being partly printed with removable types and also partly cut from wood. All the pages are one-sided. The author of the »Speculum humanae salvationis« (Mirror of Human Salvation) is unknown, as is the printer and the place of printing. In any case, the book is originally from the Netherlands and appeared between 1420 and 1450.


