Ausstellung

Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube in der kestnergesellschaft, Hannover

Der Ausstellungskatalog, hier als Download: Katalog Titelseite

Das Internet verändert unseren Umgang mit Wissen radikal. Wie wir Wissen heute schaffen und ihm eine Form geben, es verbreiten, archivieren und darauf zugreifen, unterscheidet sich in vielfältiger Weise von früheren Verfahren. Zugleich setzen die digitalen Möglichkeiten neben partizipativen Elementen auch eine Ästhetisierung in Gang, die vielfältige Erscheinungen von Wissen und neue Formen der ästhetischen Erfahrung schafft.

In Kooperation mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und der Leibniz Universität Hannover entzündet die Ausstellung »bookmarks | wissenswelten von der keilschrift bis YouTube« eine Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Wissenskultur am Beispiel ihrer populärsten Ausprägung YouTube – und konfrontiert sie mit 42 wertvollen Büchern, Schriften und Exponaten der vergangenen Jahrhunderte aus der Schatzkammer der GWLB, sowie einer Keilschrift aus der Sammlung des Museums August Kestner (MAK). Viele dieser Schätze können in der Form erstmals öffentlich gezeigt werden – Originale, die von Paradigmenwechseln in der Wissensproduktion vergangener Zeiten erzählen.

Darüber hinaus berichten in den vier Ausstellungswochen in zahlreichen Veranstaltungen Wissenschaftler, Autoren und Künstler über spannende Phänomene der Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube. Sie ergänzen die Schau mit ihrem Expertenwissen. Das gesamte Veranstaltungsprogramm finden Sie in unserem Weblog zur Ausstellung unter www.bookmarks2009.de. Hier erhalten Sie außerdem weitere Informationen, Bilder und Filme zu den Ausstellungsstücken.

Im YouTube Labor in Halle V, bzw. auf www.youtube.com/bookmarks2009 laden wir Sie ein, auf YouTube Tour zu gehen. Schließen Sie sich Führungen durch die Clips auf YouTube. Diese Führungen werden von Youtube Usern und Ausstellungsbesuchern zusammengestellt.

Die Website YouTube, auf der Benutzer kostenlos Video Clips ansehen und selbst hochladen können, hat sich innerhalb kürzester Zeit zur selbstverständlichen kulturellen Praxis entwickelt. Gegründet im Februar 2005 ist YouTube heute eine der drei am häufigsten besuchten Seiten im Internet und auf zwölf Sprachen verfügbar. Täglich werden weltweit mehr als 13 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen. Es würde länger als zwei Jahre dauern, um die Clips zu sichten, die an nur einem Tag auf YouTube hinzukommen.

Damit ist YouTube öffentliches Archiv und intimes Bilderspektakel in Einem. Es ermöglicht die wiederholte Betrachtung vormals transitorischer Ereignisse ebenso wie den Upload von selbst geschaffenem Material durch das Publikum. Mit diesem Phänomen erfüllt sich der Urtraum der Medientheorie: Der Sender ist Empfänger und der Empfänger auch Sender geworden. Die Produktionsmittel und Kommunikationsmedien sind heute jedem verfügbar. Ein beträchtlicher Teil der Wissensproduktion ist darum längst aus traditionellen Strukturen herausgelöst und findet in Eigenregie statt. Alte Formen von Öffentlichkeit erodieren. Selbst hergestellte Inhalte sind die Regel. Das kanonische Wissen bekommt Konkurrenz durch Laienautoren.

Damit einher geht eine Veränderung der Spielregeln im Umgang mit Wissen, mit Authentizität, Ästhetik, Autorschaft und Privatsphäre. Die Einen sprechen darum von Demokratisierung und Teilhabe aller am gesellschaftlichen Prozess, die Anderen beschwören die Zerstörung der Kultur durch die Herrschaft des Amateurs – eine Polarisierung, bei der es sich empfiehlt, genauer hinzusehen.

Die Ausstellung wird unterstützt von

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Eröffnung, 15. Januar 2009

Veit Görner, Direktor kestnergesellschaft

Christian Wulff, Niedersächsischer Ministerpräsident, Teil 1

Christian Wulff, Niedersächsischer Ministerpräsident, Teil 2

Georg Ruppelt, Direktor Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Erich Barke, Präsident Leibniz Universität Hannover

Maximilian Engelmann, Mitkurator kestnergesellschaft


Schatzkammer