Louis Renard: Histoire naturelle des plus rares curiositéz de la mer des Indes, 1719
bookmarks2009 -->1719 veröffentlichte Louis Renard erstmalig die farbenfrohen Zeichnungen von tropischen Meerestieren des Indischen Ozeans. Das zweibändige Werk enthält 460 handkolorierte Kupferstiche, die Renard originalgetreu nachzeichnen ließ. Die Auflage war mit nur 100 Exemplaren sehr klein. Von diesen 100 Exemplaren haben sich in europäischen Bibliotheken nur sechs erhalten. Während die Zeichnungen im ersten Band von unbekannter Herkunft sind, stammen die Abbildungen des zweiten Bandes von dem Künstler Samuel Fallours.
Samuel Fallours hatte seine Zeichnungen auf der zu den Molukken gehörigen Insel Ambon angefertigt. Auftraggeber war der Gouverneur der Insel, Adriaen van der Stel. Fallours’ Darstellung der Meerestiere war nicht naturgetreu. Er ließ seiner Phantasie freien Lauf, gab den Fischen teilweise menschliche Gesichter und verwendete fast surreale Farbgebungen. 1715 gelangten die Zeichnungen nach Amsterdam, wo sie der Verleger Louis Renard vier Jahre später zusammen mit den Zeichnungen aus der privaten Sammlung von Baltazar Coyett publizierte. Fallours Originalhandschriften befinden sich heute in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
Der Hugenotte Renard (1678 – 1746) war nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes aus Frankreich in die Niederlande geflüchtet, um religiöser Verfolgung zu entgehen. Dort wurde er Verleger und Buchhändler und arbeitete sogar für die englische Krone unter George I. und George II. als Spion. Beide Könige waren in Personalunion Kurfürsten von Hannover. Eine der Aufgaben Renards war es, für Großbritannien im Amsterdamer Hafen Schiffe auszuspionieren, die Waffen und Vorräte an den katholischen Thronprätendenten für die englische Krone, James Stuart, lieferten. Seine Erstausgabe widmete er George I.
Sowohl Samuel Fallours als auch Baltazar Coyett, ehemals Gouverneur auf den molukkischen Inseln, und Adriaen van der Stel waren Angestellte der Niederländischen Ostindien- Kompanie. Die Niederlande waren im 17. Jahrhundert nach der Erlangung der Unabhängigkeit von Spanien zu einer großen internationalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Sie gründeten Kolonien und Handelsposten und benutzten die Niederländische Ostindien-Kompanie, um die Gewürzrouten von Hinterindien nach Europa zu kontrollieren. Diese war eine der größten Handelsunternehmungen des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit der wirtschaftlichen Expansion wuchs das Interesse, die bis dato unbekannten Länder Süd-Ostasiens zu erforschen. Wie die Geschichte der phantastischen Zeichnungen der tropischen Meerestiere zeigt, gelangten mit dem internationalen Warentransport der Ostindien-Kompanie auch Informationen über die exotische Tier- und Pflanzenwelt Süd-Ostasiens in die europäische Öffentlichkeit. Obwohl es sich um eine der ersten Veröffentlichungen mit Abbildungen von exotischen Fischen handelte, wurde das Werk von Renard im 19. und frühen 20. Jahrhundert von den Biologen nicht gewürdigt, sondern ins Reich der Kuriositäten verwiesen. Dabei wurde übersehen, dass nur wenige Darstellungen vollständig der Phantasie entsprungen waren. Die meisten Abbildungen erlauben dagegen – trotz ihrer surrealen Züge – eine genaue Bestimmung der dargestellten Species.
Anne - Katrin Henkel
Louis Renard: Histoire naturelle des plus rares curiositéz de la mer des Indes, 1719
In 1719, Louis Renard published for the first time the colourful drawings showing the tropical sea creatures of the Indian Ocean. The two volumes of his work include 460 engraved prints coloured by hand. It was a small edition of no more than 100 copies and only six of them have remained in European libraries. The drawings of the first volume are anonymous but we know Samuel Fallours to be the author of the second volume’s illustrations. Fallours’s representation of the sea creatures are not true to life. He followed his own imagination, partly gave human faces to the fish and his colours are not far from being surrealistic. In 1715, his drawings came to Amsterdam where they were published four years later by Louis Renard, together with drawings from the private collection of Baltazar Coyett. Fallours’s original manuscripts now belong to the Gottfried Wilhelm Leibniz library.
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