Trachtenbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg, 1520 - 1560
bookmarks2009 -->Modebewusstsein hat eine lange Tradition: In dem hier vorliegenden Trachtenbuch des Augsburgers Matthäus Schwarz (1497 – 1574), Buchhalter der Fugger, spiegelt sich das Geltungsbedürfnis eines einzelnen Kaufmanns und seine Vorliebe für standesgemäße Kleiderauswahl in einer Abbildungsserie wider.
Die Handschrift wurde ab 1520 von Matthäus Schwarz angelegt und zeigt in 131 kolorierten Abbildungen (zum Großteil von Narziss Renner angefertigt) die Lebensstationen von Schwarz für den Zeitraum von 1496 bis 1560; jedes Lebensjahr zeigt den Kaufmann in anderer Kleidung. Als ein Vorbild diente wohl das Turnierbuch Kaiser Maximilians, der »Freydal«, in dem ebenfalls biographische Elemente mit Kostümabbildungen verknüpft werden: Somit werden gemeinsame Züge bürgerlicher und kaiserlicher Selbstdarstellung sichtbar. Kleidung wird bei Schwarz als zentrales, auch im Bürgertum gesellschaftsbildendes Element veranschaulicht. Neben der mit dem Trachtenbuch erwünschten Wirkung auf andere verfolgte Schwarz aber auch ein beinahe wissenschaftliches Interesse am Wandel der Mode. Das Buch repräsentiert also nicht nur die Entwicklung eines Mannes vom Kind zum gesetzten Ehemann, sondern auch die Geschichte repräsentativer bürgerlicher Mode im 16. Jahrhundert. Schwarz kann damit als erster deutscher Geschichtsschreiber der Kostümkunde bezeichnet werden.
Die unterste Abbildung stellt Schwarz als siebenjährigen Lehrjungen bei Kunz von der Rosen, dem »Freudenmacher« (Hofnarren) Kaiser Maximilians dar. Das besondere hierbei ist die gleichzeitige Darstellung von Lehrmeister und Schüler in ihrer für das Metier typischen Tracht: Einerseits der Hofnarr mit einer damals modernen, verkürzten Form des Obergewandes über Wams und Hose, andererseits der Lehrling mit einem für Turniernarren üblichen Anzug.
Björn Schreier
Traditional costume book by Matthäus Schwarz of Augsburg, 1520 - 1560
To be fashion-conscious has a long tradition: The traditional costume book which is on display here was made by the Augsburgian Matthäus Schwarz (1497 – 1574), accountant of the famous Fuggers‘ family. The book is reflecting the craving for admiration of a simple tradesman and his preference for clothes in a series of illustrations.
The handwriting was begun in 1520 by Schwarz and shows him dressed in different clothes in 131 coloured illustrations (most of them made by Narziss Renner) between 1496 – 1560.
The displayed illustration at the bottem shows M. Schwarz as seven-years-old trainee of Kunz von der Rosen, the court jester of emperour Maximilian. The simultaneous presentation of master and student in their typical costumes is of particular interest.
Entry Filed under: Trachtenbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg



5 Comments Add your own
1. Anna Straszewska | März 27th, 2009 at 12:26
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Kostümhistoriker und beschäftige mich mit der Geschichte der Trachten- und Kostümbücher. Deswegen mit große Interesse habe ich Ihren digitalisierten Trachtenbuch des Matthäus Schwarz bewundern. Diese Fassung wurde mir bis jetzt unbekannt. Am meistens schreibt man über den Trachtenbuch des Matthäus Schwarz, die in Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich Museum (HS. 27 Nr. 67a) bewahrt ist. Es gibt noch ein drittes Manuskript in Besitz von Bibliotheque National in Paris (département des Manuscrits, Allemand 211, fol. 9). Davon kommt meine Frage: Welche Fassung ist primär? Wurden alle drei Bücher für Matthäus Schwarz gemacht oder eine davon schon spät kopiert wurde? Ich würde Ihnen sehr dankbar für die Antwort.
Mit freundlichen Grüße
Anna Straszewska
Institut für Kunstforschungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Warschau
2. Würde Matthäus Schwarz &hellip | April 1st, 2009 at 00:16
[...] Trachtenbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg, 1520 - 1560, Bild: Ausstellung Bookmarks [...]
3. Björn Schreier | April 1st, 2009 at 16:22
Die originale Handschrift befindet sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig und wurde im 18. Jh. aus Wolfenbüttel erworben. 1704 wurde die Handschrift an die Kurfürstin Sophie von Hannover verliehen, woraufhin durch J. B. Knoche, Leibnizens Schreiber, zwei Kopien angefertigt wurden. Eine der beiden Kopien gelang als Geschenk von Sophie an ihre Nichte, die Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans, nach Paris und befindet sich heute in der Bibliothèque Nationale, die andere verblieb in Hannover und ist heute in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
4. Ulrike Höllwarth | April 20th, 2009 at 12:26
Sehr geehrter Herr Björn Schreier,
wissen Sie, ob dieses Trachtenbuch von Matthäus Schwarz in Form von Nachdrucken o. ä. zugänglich ist?
Über eine Antwort wäre ich Ihnen sehr verbunden!
Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Höllwarth
5. Björn Schreier | April 23rd, 2009 at 15:32
Sehr geehrte Frau Höllwarth,
es gibt eine Edition des Trachtenbuches von August Fink: “Die Schwarzschen Trachtenbücher”, Berlin 1963, darin enthalten: Beschreibung der Quelle, Bildreproduktion (incl. Text) in schwarz-weiß (verkleinert auf 75% des Originalformates), Transkription der Texte, im erläuternden Text ausführliche Farbbeschreibung, Hinweise auf Nachträge, Erhaltungszustand etc.
Eine Teiledition jüngeren Datums stammt von Philippe Braunstein: “Matthäus Schwarz, un banquier mis à nu. Autobiographie de Matthäus Schwarz, bourgeois d’Augsbourg”, Paris 1992.
Mit freundlichen Grüßen
Björn Schreier
Leave a Comment
Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed