Trauerzug für Zar Alexander I., 1826
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Der Wunsch, Ereignisse nicht nur in Worten, sondern auch im Bild, möglichst im bewegten Bild, festzuhalten, bestand auch schon vor dem Aufkommen von Film und Fernsehen. Einen Versuch, diesen Wunsch zu erfüllen, sehen wir hier.
Alexander I. von Russland (1777 – 1825) zog sich bei einem Aufenthalt auf der Krim ein Fieber zu, an dem er wenig später in Taganrog starb. Von dort wurde der Verstorbene nach St. Petersburg transportiert. Als der Leichenwagen in Moskau eintraf, kam es im Volk zu Unruhen; die Menschen wünschten, den Leichnam zu sehen. Es war aber angeordnet, dass der Sarg verschlossen bleiben musste, denn schon in Taganrog hatte die Verwesung eingesetzt; wahrscheinlich ist, dass die Anordnung damit in Zusammenhang stand. Doch ging das Gerücht um, im Sarg befinde sich gar nicht der Leichnam des Zaren. In St. Petersburg wurde Alexander I. schließlich aufgebahrt – mit einer Maske, um die fortgeschrittene Verwesung zu verbergen oder – so munkelte man – um zu verheimlichen, dass im Sarg gar nicht der Zar lag; in St. Petersburg wurde er auch begraben.
Den Trauerzug zu Ehren des Zaren stellt die hier ausgestellte meisterhafte Tuschzeichnung aus dem Jahre 1826 in allen Details auf 16,5 m Länge dar. Die Tatsache, dass die Zeichnung so lang ist, dass man sie nicht simultan erfassen kann, sondern an ihr entlang gehen muss, möglichst von vorne nach hinten, versetzt den Trauerzug gewissermaßen in Bewegung. Der Betrachter hat das Gefühl stillzustehen, während der Leichenzug an ihm vorüber reitet: Ein Film in Form eines Buches.
Auch nach der Beerdigung hielt sich das Gerücht, der Zar sei noch am Leben und habe sich in ein Kloster zurückgezogen. 1921 öffnete eine sowjetische Kommission die Särge der Zaren, um den Schmuck zu entnehmen. Der Sarkophag Alexanders I. war leer.
Nina Otto
Funeral cortege for Czar Alexander I, 1826
In 1825, Alexander I of Russia died of fever in Taganrog, a city at the mouth of the Don in Southern Russia. As he was to be buried in St. Petersburg, his body had to be transported several hundreds of kilometres. The removal took more than a quarter of a year.
When the hearse did finally arrive at St. Petersburg, the corpse was laid out with a mask to conceal the decomposition of the body or – so rumour had it – the fact that it was not the Czar who lay in the coffin after all. When the Czar (or the corpse of whoever it actually was) was buried, an impressive funeral cortege paid the last respects to him. This funeral cortege is depicted in every minute detail on the 16,5 m of paper shown here.
Addendum: When the coffins of the Russian Czars were opened in 1921, the sarcophagus of Alexander I was found to be empty.
Entry Filed under: Trauerzug für Alexander I.



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